Schwarzarbeit und Sozialbetrug am Bau kosteten 11,2 Millionen Euro

Wenn billig am Ende teuer wird: Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Lohnprellerei in der Baubranche haben in der Region einen Millionenschaden verursacht. Das teilt die Gewerkschaft IG BAU mit und beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundes­finanzministeriums. Danach kontrollierten Beamte des Hauptzollamtes Braunschweig, das auch für den Landkreis Wolfenbüttel zuständig ist, im vergangenen Jahr insgesamt 305 Baufirmen und leiteten 301 Ermittlungsverfahren ein. Wegen illegaler Praktiken in der Branche entgingen dem Staat und den Sozialkassen 11,2 Millionen Euro.
Beamte der Zolleinheit Finanzkontrolle Schwarzarbeit werden auf Baustellen oft fündig

IG-BAU-Bezirkschef Karl-Heinz Ehrenberg spricht von einem »erschreckenden Ausmaß krimineller Energie«. Hier stehe das Image einer ganzen Branche auf dem Spiel. »Sauber wirtschaftende Firmen dürfen nicht wegschauen, wenn sich Konkurrenten nicht an die Regeln halten. Gerade die Coronakrise hat ja gezeigt, wie wichtig die Bauwirtschaft als Stütze der Konjunktur auch in der Region ist«, so die IG BAU Braunschweig-Goslar. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Bau-Umsätze in den ersten fünf Monaten des Jahres trotz Pandemie um rund sieben Prozent. »Das beste Mittel gegen unerlaubte Geschäfte am Bau ist ein fairer Wettbewerb zu fairen Löhnen und Arbeitsbedingungen. Dazu muss sich die ganze Branche bekennen, wenn sie ihren Ruf nicht verspielen will«, so der Gewerkschafter. Die Arbeitgeber hätten in der laufenden Tarifrunde die Chance, die Bauberufe für Fach- und Nachwuchskräfte attraktiver zu machen.
Entscheidend sei aber auch, dass der Zoll »schwarze Schafe« noch stärker in den Blick nehme. »Es kommt nicht nur auf die Zahl der Kontrollen an, sondern auch auf die Qualität. Hier braucht die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mehr Personal«, so Ehrenberg. Laut Finanzministerium waren beim Hauptzollamt Braunschweig zu Jahresbeginn lediglich 152 Planstellen besetzt.

Die Zollstatistik geht auf eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Bündnis 90/Die Grünen) zurück. Die Arbeitsmarktpolitikerin stellt gegenüber der IG BAU fest: »Schwarzarbeit und Lohnbetrug sind keine Kavaliersdelikte. Der Zoll muss gestärkt werden, um flächendeckend kontrollieren und wirksam gegen illegale Machenschaften vorgehen zu können – gerade auf dem Bau«