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Dunja Kreiser zeigte sich beeindruckt vom Jugendreha-Zentrum

Es war ein hochkomprimierter Besuch, für den sich Dunja Kreiser gleichwohl sehr bedankte. Als die SPD-Bundestagsabgeordnete kürzlich auf dem Gelände der Lavie Reha gGmbH eintraf, um einen ersten Betriebsbesuch im Rahmen ihrer Sommerreise zu absolvieren, standen ihr 90 informative Minuten bevor. Gemeinsam mit Bürgermeister Alexander Hoppe und Marcel Muschalla, dem Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Königslutter, ließ sie sich von Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt über das ausgedehnte Gelände an der Fallersleber Straße 12 führen.

Zum Glück hatte sich Kreiser im Vorfeld zwei der Lavie-Schwerpunkte herausgepickt, sonst hätte ein Tag kaum gereicht für die Führung. »Ich bin wirklich beeindruckt von der Vielfalt der Maßnahmen, die hier angeboten werden«, sagte die Sozialdemokratin später. Da hatte sie schön gehört, dass die 1995 gegründete Gesellschaft mittlerweile 160 Mitarbeiter hat (viele in Teilzeit), die sich um 200 Teilnehmer in den verschiedenen Maßnahmen kümmern.
Im Vordergrund steht dabei die Reha – mit besonderem Fokus auf der Rehabilitation Jugendlicher und junger Erwachsener. Auch das erstaunlich: »Es gibt neben uns nur drei vergleichbare Einrichtungen der psychia­trischen Jugendreha in Deutschland«, erklärte Corinna Wollenhaupt. Und Sabine Müller-Schöppel als Therapeutische Leiterin freute sich über einen gewaltigen Einzugsbereich: »Unsere Teilnehmer kommen aus Ost-Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und sogar bis aus München.«
Weil nicht alle pendeln können, wurde 2018 ein Internat auf dem Gelände errichtet. Das hat den Vorteil, dass im Ernstfall schon mal ein Tapetenwechsel vollzogen werden kann – raus aus problematischen Familien, rein in Lavie. Es geht um die medizinische, berufliche und soziale Reha für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Da geht es um Entwicklungsverzögerungen, Depressionen, Manien, auch Süchte können eine Rolle spielen. Und da ist dann auch mal ein radikaler Schnitt unumgänglich.
Ob im Internat oder daheim: Die Situation ist auch für die Eltern belastend. »Darum ist die Elternarbeit ein wichtiger Faktor unseres Angebots«, schilderte Müller-Schöppel. Und da die Krisen Jungs und Mädchen im Alter von 15 bis 21 Jahren treffen, wiegen sie doppelt schwer. »In diesem Alter durchlebt die Jugend ja ohnehin die größten Gefühlsschwankungen«, erklärt die Cheftherapeutin. Gleichwohl sei Lavie auf einem guten Weg: »Wir arbeiten hier am Selbstvertrauen unserer Teilnehmer, an der Eigenwahrnehmung sowie an der richtigen Ernährung und machen Bewerbertraining.« Sogar eine erste Liebe unter Teilnehmern habe sich schon mal entwickelt an der Fallersleber Straße, erzählte die Dipl.-Psychologin lachend.
Richtig anspruchsvoll aus externer Sicht geht es für die Jugend bei der »Psycho-Education« zu. »Wir bringen ihnen bei, auf sich selbst zu achten: Was macht mich krank? Was löst Krisen bei mir aus?« Den Teilnehmern hier die Sinne zu schärfen, sei ein unglaublich wichtiger Schritt. Hingegen eine eher überraschende Erkenntnis des Lavie-Teams: »Natürlich kommen Teilnehmer oft zu uns, weil sie in ihren Familien Vernachlässigung erfahren – genauso kann es aber auch Kinder treffen, die überbehütet aufwachsen. Wem die Eltern nichts zutrauen, der traut sich auch selbst nichts zu.«
Zwei gute Beispiele präsentierten sich den Besuchern ebenfalls. Leah Eckhardt (19) und Till-Gordon Gerber (20) durchlaufen gerade die Reha, die junge Frau im Internat. »Ich soll mich hier besser kennenlernen und meine Selbständigkeit festigen«, erklärte sie. Inzwischen sei ihr viel vom Lebensstress genommen worden, sodass die Maßnahmen Früchte tragen. »Ich bin sehr froh, diesen Platz bekommen zu haben, und strebe hier eine anschließende Berufsvorbereitung an.«
Ähnlich sieht es Gerber, der teilstationär bei Lavie ist. »Bei mir ging es um die Entwicklung des Sozialverhaltens und verbesserte Konzentration.« Das habe sich gut entwickelt, versicherte er und legte stolz ein Werkstück vor – einen selbst entworfenen und gearbeiteten Metallwürfel. »Ich messe, schleife, feile und bereite mich auf eine Metallausbildung vor – das ist genau mein Ding.«
Und als dann auch noch Bürgermeister Alexander Hoppe die gGmbH für ihre proaktive Kooperation mit der Stadt lobte (»im Sozialkaufhaus, in der Bücherei, im Café«), da war Dunja Kreiser schwer beeindruckt, wunderte sich aber auch über die wenigen Anbieter in Deutschland. »Woran liegt das, der Bedarf ist doch da?« Die Geschäftsführerin verwies auf die schwierige Finanzierung, die sich aus verschiedenen Töpfen der Renten- und Krankenkassen speist, was eine Fülle unterschiedlicher Pflegesätze mit sich bringe. »Das ist ein jährlich wiederkehrender Kampf und für viele einfach nicht attraktiv.«
Für diesen Kampf wünschte die Bundestagsabgeordnete dem Lavie-Team Glück und das erforderliche Stehvermögen. »Als Innenpolitikerin interessieren mich diese Bereiche natürlich besonders, gerade in meinem Wahlkreis.« Und einen konkreten Wunsch nahm sie ebenfalls mit auf ihre weitere Sommerreise durch Betriebe und Firmen: »Wir brauchen Praktikumsplätze für unsere Teilnehmer«, legte ihr Corinna Wollenhaupt ans Herz – und bat um Weitergabe ihrer Telefonnummer.