Café »C’est Lavie« an der alten Stadtmauer vorgestellt

Die Wiederbelebung alter Häuser ist immer eine tolle Sache. Und so erntete die Lavie Reha gGmbH in Königslutter viel Lob von den Besuchern, als sie kürzlich die Eröffnung ihres neuen Cafés »C’est Lavie« feierte. Rund drei Dutzend Gäste waren gekommen, um die inklusive Einrichtung an der alten Stadtmauer (Westerstraße 28 a) in Augenschein zu nehmen.
Das Caféteam zu Beginn der Feierstunde – hinten v. l.: Teamleiterin Michaela Paulmann-Strusch und Paula Wiegener; vorne v. l.: Fabian Schauzu, Laura Apostel und Lucja Bischoff

Eine regelrechte Eröffnung war es allerdings nicht, wie Lavie-Geschäftsführerin Corinna Wollenhaupt einräumte. »Wir haben bereits am 1. März recht leise aufgeschlossen, um unseren Leuten einen Riesenansturm zu ersparen.« Tatsächlich sollten sich Mitarbeiter und Teilnehmer erst an die neue Aufgabe gewöhnen, was nicht leicht war. Schließlich ist das Café nicht gerade klein, lockt durch seine perfekte Lage schnell Gäste an – und andererseits erfordert der inklusive Ansatz stressfreie Arbeitsumgebung.


Denn die gemeinnützige GmbH kümmert sich seit 25 Jahren um Jugendliche und Erwachsene mit psychischen Erkrankungen. Das neue Geschäft an der Stadtmauer bereibt sie als »anderer Leistungsanbieter« (ALA), wie es das Gesetz sperrig nennt – übrigens das erste Angebot dieser Art im Landkreis Helmstedt. »Menschen, die Anspruch auf Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen haben, können diese Leistung auch durch einen Arbeitsplatz in unserem Café in Anspruch nehmen«, erklärte Wollenhaupt. Übrigens plant die gGmbH, ihre sämtlichen Angebote (Büro/Verwaltung, Hauswirtschaft/Textilpflege, Cafeteria/Küche, Tischlerei sowie Maler- und Lackierwerkstatt) für ALA-Arbeitsplätze zu öffnen, kündigte Uwe Rump-Kahl an. Ausgenommen wird nur der Bereich IT.


»In der Gastronomie läuft es derzeit perfekt«, versicherte Michaela Paulmann-Strusch. Sie ist seit einem halben Jahr Teamleiterin im »C’est Lavie« und berichtete von stetig wachsendem Zuspruch. »Wir haben schon viele Stammgäste, die mehrmals pro Woche kommen.« Unter anderem gibt es einen Stammtisch von Ex-Lehrerinnen, an dem die Teamleiterin ihre ehemalige Lehrerin aus der Wilhelm-Bode-Schule wiedergetroffen hat. »Ich bin halt schon ewig Lutteranerin«, lacht die gelernte Köchin und Hauswirtschafterin, die schon in großen Häusern gearbeitet hat.


»Selbst im Vergleich dazu gefällt mir das Ambiente hier ausnehmend gut«, sagte sie. Und ausgelastet sei sie auch, obwohl das Café nur an drei Tagen geöffnet ist (mittwochs und donnerstags von 9 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 21 Uhr). »An den anderen Tagen arbeiten wir in unserer Lehrküche und bereiten Kuchen, Torten und auch die deftigen Speisen vor.« Alles auf der Speisekarte sei selbst gemacht, und so hätten sich die Tagessuppe im Weckglas, die Bagels mit Serranoschinken und die »Lavienis« (Hefeteile zum Beispiel mit Schwand und Speck) zu echten Geheimtipps entwickelt.

An der Buttonmaschine (v. l.): Sonja Grotjan (Lavie) sowie Johanna und Alexandra Kahmann (BBS Helmstedt als Kooperationpartner von Lavie)
Fotos (2): Regio-Press

Das Frühstück sei mittlerweile so beliebt, dass es bis Ende des Jahres kaum noch Plätze gebe, wie Corinna Wollenhaupt berichtete. Sie nutzte die Veranstaltung, um sich erst einmal für die Unterstützung vieler Akteure zu bedanken. Bürgermeister Alexander Hoppe ließ sich von Bodo Seidenthal vertreten, Marcel Muschalle (SPD-Ortsvereinsvorsitzender) war ebenso da wie Volker Möll (Bündnis 90/Die Grünen), Norbert Dinter (Teamleiter Reha der Agentur für Arbeit) und Thomas Hartmann (Vorsitzender des Behindertenbeirats Helmstedt).


Und die Geschäftsführerin brach eine Lanze für das Arbeiten auf dem zweiten Arbeitsmarkt. »Wer vorübergehend nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sein kann, der findet bei uns eine geschützte Atmosphäre ohne Druck.« Arbeit spiele eine wesentliche Rolle bei der Gesundung. »Struktur, soziale Kontakte, das kollektive Schaffen an einem gemeinsamen Ziel – all das sind in stressfreier Umgebung Hilfen für Menschen mit psychischen Problemen.«


Besonders stolz ist Wollenhaupt auf die Tatsache, dass der neue Status als »ALA« nunmehr der erste Schritt ihrer Einrichtung über die Reha hinaus ist. »Damit bieten wir unseren Teilnehmern neben Praktika weitere Einsatzstellen und nutzen die Möglichkeiten des Bundesteilhabegesetzes.« Als Schmankerl wies sie die Besucher auf einen Stand hin, an dem ein Buttondrucker verschiedene Flügelmotive für die Gäste fertigte: »Ala bedeutet auf Spanisch Flügel – vielleicht können wir künftig auch unseren Teilnehmern Flügel verleihen.«


Bodo Seidenthal bemerkte: »Das ist eine weitere Lavie-Einrichtung, die ganz wertvoll ist für unsere Stadt – so wie alle anderen. Wir können Frau Wollenhaupt und ihren Mitarbeitern nur großen Dank sagen für ihr Engagement.« Auch Marcel Muschalle zeigte sich begeistert: »Ich kann nur sagen: überragend! Das ist ein gelungener Laden mit tollem Angebot. Alles in allem eine echte Bereicherung für unsere Innenstadt.«