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Schöninger Speere sind jetzt offiziell auf der UNESCO-Tentativliste

Die Fundstätte Schöninger Speere macht einen bedeutenden Schritt hinsichtlich der Anerkennung ihrer historischen Bedeutung für die Darstellung der Menschheitsgeschichte. Am 4. Dezember hat die Kultusministerkonferenz in einer Sondersitzung die Aufnahme der Speere auf die Vorschlagsliste für das Kultur- und Naturerbe der UNESCO beschlossen.
Schöningens Bürgermeister Malte Schneider (M.) und der damalige niedersächsische Minister für Kultur und Wissenschaft Dr. h. c. Björn Thümler (l. mit Wurfspeer-Nachbildung) vor dem Forschungsmuseum beim Pressetermin zur Vorstellung der Pläne, die Fundstätte Schöninger Speere als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen Archivfoto: Sebastian Lükemann

Unter dem Titel »Fundstätte der Schöninger Speere – Mensch und Jagd vor 300 000 Jahren (Niedersachsen)« stehen die Schöninger Speere offiziell auf der deutschen Tentativliste – eine nationale Vorschlagliste, auf der jene Kulturdenkmäler und Schutzgebiete aufgeführt werden, die ein Staat für das UNESCO-Welterbe nominieren lassen möchte. Damit ist ein großer Schritt für die Anerkennung zum Weltkulturerbe erzielt worden. Bereits im Jahr 2020 hatte sich der damalige niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Dr. h. c. Björn Thümler (CDU) für die Bewerbung der Speere stark gemacht. 2021 hatte jedes Bundesland die Möglichkeit, zwei Anträge einzureichen. Über dieses »wichtige Etappenziel« (CDU-Landtagsabgeordnete Veronika Bode) zeigt sich nun Thümlers Minister-Nachfolger sowie derzeitiger Vorsitzender der Kulturministerkonferenz Falko Mohrs (SPD) sehr erfreut. »Die Nominierung der archäologischen Stätte verdeutlicht ihre herausragende Bedeutung für die Geschichte der Menschheit weit über Deutschland hinaus. Durch die besondere geologische Situation ist sie ein Fenster in die Frühzeit der Menschheitsgeschichte, das Einblicke ins menschliche Zusammenleben und auch Habitate und Ökosystem vor 300 000 Jahren ermöglicht. Als prähistorische Stätte kann die Fundstätte der Schöninger Speere eine Lücke in der Welterbeliste schließen.«


Insgesamt hat die Kulturministerkonferenz sieben von 21 Anmeldungen auf die UNESCO-Vorschlagsliste gebracht. Außerdem die Waldsiedlung Zehlendorf, das Pretziener Wehr, der Fernsehturm Stuttgart und der Olympiapark in München sowie die europäischen Großbogenbrücken des 19. Jahrhunderts und die keltischen Machtzentren der älteren Eisenzeit nordwestlich der Alpen als transnationale Anträge wurden ebenfalls neu auf die Tentativliste gesetzt.


Die neue Tentativliste enthält darüber hinaus den Naturerbeantrag »Grünes Band«, das sich zum Teil durch den Landkreis Helmstedt zieht. Eine mögliche Weiterentwicklung des Antrags zu einer gemischten Stätte (Natur- und Kulturerbe) soll in den kommenden Jahren vor der Einreichung bei der UNESCO unter Einbeziehung geeigneter fachlicher Expertise geprüft werden. Aus dem vormaligen Auswahlverfahren liegen dazu weitere Anträge zur Nominierung in den kommenden Jahren vor, sodass die künftige Tentativliste zur Vorlage beim Welterbezentrum der UNESCO zwölf Nominierungen umfasst.


Falko Mohrs meint: »Wir gehen mit starken Anträgen in den internationalen Wettbewerb um die Auszeichnung weiterer Weltkulturerbestätten. Das von uns gewählte Verfahren der externen Evaluierung hat sich bewährt. Der Fachbeirat erkennt für alle sieben befürworteten Stätten das hohe Potenzial an und würdigt darüber hinaus, dass sechs der sieben Stätten unterrepräsentierte Kategorien oder Typen auf der Welterbeliste und auch in Deutschland vertreten.«


Nun heißt es abwarten. Die Tentativliste wird im Februar 2024 das nächste Mal an das Welterbezentrum in Paris weitergereicht. Dort werden die Vorschläge erneut auf Richtigkeit geprüft, und ihre Aufnahme wird speziellen Richtlinien folgend evaluiert.

Sebastian Lükemann