ÖNSA und Landwirte im Landkreis schützen den Feldhamster

Zufrieden begutachten Nicole Feige von der Ökologischen NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) und Martin Siemann, Landwirt aus Klein Vahlberg, eine Feldhamsterschutzfläche. Siemann führte auf seiner Fläche eine hohe Ährenernte durch. So blieben einige kürzere Ähren stehen, aus denen sich der Feldhamster einen Wintervorrat sammeln kann. Foto: Carsten Schütte

Die Ökologische NABU-Station Aller/Oker (ÖNSA) und der Landkreis Wolfenbüttel haben in diesem Frühjahr gemeinsam ein Pilotprojekt zum Feldhamsterschutz ins Leben gerufen: Landwirte, die eine hohe Ährenernte durchführen und Getreidestoppeln bis zum 1. Oktober stehen lassen, konnten sich diese Maßnahmen unbürokratisch vom Landkreis Wolfenbüttel fördern lassen. Auf den Schutzflächen findet der bunte Nager Deckung vor Feinden und Nahrung und hat genügend Zeit, sich seinen Wintervorrat zu sammeln.

»Die meisten Landwirte, die wir angesprochen haben, waren sofort bereit zu kooperieren«, berichtet Nicole Feige, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Station. »Nach vorheriger Absprache mit den Landwirten sind wir zunächst mit einem Team aus Studenten und Ehrenamtlichen potenzielle  Feldhamster-Flächen abgelaufen. Auch einige der kooperierenden Landwirte haben uns bei der Suche tatkräftigt unterstützt.« Wurden  Feldhamsterbaue gefunden oder waren aktuelle Vorkommen bereits bekannt, kam eine Förderung der Maßnahme auf diesen Flächen in Frage. So wurden die Fördergelder gezielt eingesetzt.

Sieben Landwirte konnten für den Feldhamsterschutz gewonnen werden, die sich mit einer Fläche von insgesamt 33 Hektar verteilt im ganzen  Landkreis an dem neuen Programm beteiligen. »Und weitere haben schon Interesse für das nächste Jahr bekundet. Das ist für den Beginn ein großer Erfolg«, freut sich Feige. »Etwa zwei Kilogramm benötigt ein Feldhamster für den Winter. Erst wenn er Anfang Oktober seinen Winterschlaf beginnt, wird die Fläche umgebrochen und ganz normal weiterbewirtschaftet.« Das Schutzkonzept überzeugt auch Martin Siemann, Landwirt aus Klein  Vahlberg: »Als die ÖNSA gleich mehrere Baue auf meinen Flächen fand, war die ganze Familie begeistert. Ich habe sofort meine Unterstützung zugesagt.« Jetzt freue er sich, dass er einen einfachen und unbürokratischen Beitrag zum Schutz des kleinen Nagers leisten kann. Um auf die Schutzmaßnahme hinzuweisen, hat er ein Infoschild aufgestellt. Dieses stellte der Landkreis allen Landwirten zur Verfügung, die sich am Projekt beteiligen.

Der Feldhamster ist mittlerweile weltweit vom Aussterben bedroht. In vielen Bundesländern Deutschlands gilt er bereits als ausgestorben. Südost-Niedersachsen ist daher ein wichtiger Rückzugsraum geworden. »Schutzgebiete, in denen keine Landwirtschaft mehr durchgeführt wird, wären für den Feldhamsterschutz kontraproduktiv«, so Feige. »Der Feldhamster ist auf eine Bewirtschaftung der Flächen angewiesen. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft können wir seinen Lebensraum erhalten. Ernteausfälle und zusätzliche Arbeitsschritte werden daher in diesem Projekt angemessen finanziell vergütet.«

Carsten Schütte von der Unteren Naturschutzbehörde Wolfenbüttel beurteilt das Projekt positiv: »Die gute Zusammenarbeit mit der ÖNSA hilft uns, mit den Bewirtschaftenden in Kontakt zu kommen und das Programm zu bewerben. Wenn wir so den Bestand im Landkreis stützen können, ist das ein wichtiger erster Schritt.« Das Schutzprogramm wird im nächsten Jahr fortgeführt. Die Fördervereinbarung wird für jeweils eine  Bewirtschaftungssaison abgeschlossen. Interessierte Landwirte können sich ab sofort bei Nicole Feige unter nicole.feige@nabu-niedersachsen oder
0 15 90/4 53 77 28 melden oder sich an den Landkreis wenden: Carsten Schütte, c.schuette@lk-wf.de, 0 53 31/8 43 76. Auch ehrenamtliche Unterstützung bei der Hamstersuche im Frühling und im Sommer nach der Ernte ist willkommen.