»Ein Künstler, der viel zu wenig Achtung erfahren hat«

Hans Schaper war tief gerührt. Beinahe blinzelte eine Träne in seinem Auge, als er den Worten des ehemaligen Bundeskanzlers Gerd Schröder lauschte. Dieser würdigte respektvoll – fast liebevoll – das Lebenswerk von dessen Vaters Karl Schaper im Fraktionssaal der SPD-Landtagsfraktion. Der aus dem Kreis Wolfenbüttel stammende Künstler wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Anlass genug für die SPD-Landtagsabgeordnete Dunja Kreiser, zu einem kleinen feierlichen Treffen einzuladen, um den Apelnstedter zu ehren, der 1988 als erster Künstler Niedersachsens mit dem inzwischen bedeutenden SPD-Kunstpreis ausgezeichnet wurde.
Reinhard Scheibe, ehemaliger SPD-Fraktionsgeschäftsführer, Wiard Siebels, parlamentarischer Geschäftsführer, Altkanzler Gerd Schröder, SPD-Landtagsabgeordnete Dunja Kreiser und Hans Schaper (v. l.) bei der Würdigung Karl Schapers

 

Umso mehr freute sich die SPD-Politikerin über die Teilnahme Schröders und Reinhard Scheibes, die als Überraschungsgäste an diesem feierlichen Moment teilnahmen und sich humorvoll gegenseitig bezichtigten, die treibende Kraft gewesen zu sein, die den inzwischen landesweit bedeutungsvollen Kunstpreis ins Leben gerufen habe. Die Idee hinter dem Kunstpreis erläuterte Reinhard Scheibe, der damalige SPD-Fraktionsgeschäftsführer, so: »Wir wollten Künstler würdigen, die sich mit dem Land Niedersachsen verbunden fühlen. Der Preis ist in seiner Art einmalig in Deutschland.« Hierbei ging es immer um die Tradition, dass sich speziell die Sozialdemokratie für die Kunst stark macht. Wir haben auch Künstler prämiert, die kritisch mit der Sozialdemokratie umgingen, einer davon war Schaper« erinnerte sich Schröder, der seinerzeit Ministerpräsident von Niedersachsen war.

Eines der bekanntesten Werke und gleichzeitig »Markenzeichen« Schapers ist ein großer Briefumschlag aus massivem Holz, geschrieben an Willy Brandt mit den Worten »Ich appelliere an alle unsere Freunde, sich mit geistiger Enge und Anspruchslosigkeit nicht abzufinden. Solche Art von Populismus verstehen andere besser, wir lassen lieber die Finger davon.« Das Werk schenkte Schaper der damaligen SPD-Landtagsfraktion und gilt als bisher stärkste politische Arbeit aller Preisträger. Noch heute steht es im Büro der Fraktionsvorsitzenden Johanne Modder.

Schaper habe die Gabe gehabt, auch alltägliche Dinge sichtbar zu machen. Damit habe er kleine und große unvergessliche Werke geschaffen, in denen seine menschlichen Fähigkeiten sichtbar seien, betonte der Kunstliebhaber Schröder. Ebenso begeistert zeigte sich der Alt-Kanzler von der Handwerkskunst von Schapers Ehefrau Susanne, die gleichzeitig die »Seele der Familie war«.
Als eine Ehre bezeichnete Wiard Siebels die Teilnahme an der Würdigung Schapers. »Der SPD-Kunstpreis ist einer der jährlichen Höhepunkte, und das seit nunmehr 31 Jahren. Ich habe das Kunstwerk schon als Jusovorsitzender hier begutachtet. Es symbolisiert auch die Vergänglichkeit der Macht. Verschiedene Generationen haben hier schon Verantwortung übernommen, nur das Kunstwerk ist immer geblieben«, erklärte der parlamentarische Geschäftsführer.

Hans Schaper freute sich über all die lobenden Worte für seinen »berühmten Vater« und sagte augenzwinkernd: »In den 80ern ging es heiß her in Hannover zwischen Intelektuellen mit und ohne Parteibuch. Die Beseeltheit und Spiritualität meines Vaters findet sich überall in seiner Arbeit wieder.« Er sei stolz, nach 33 Jahren und drei Monaten zu diesem Treffen eingeladen worden zu sein. Schnell wurde auch deutlich, dass sich Schröder, Schaper und Scheibe noch stundenlang über die Kunst hätten austauschen können. Man war sich einig, dass dieses Gespräch in Wolfenbüttel fortgeführt werden sollte. Eine Idee, die Dunja Kreiser sogleich zum Anlass für eine Einladung nahm, alle beteiligten Kunstliebhaber im kommenden Jahr nach Wolfenbüttel einzuladen.